Im Herbst 1918 endete mit dem Ersten Weltkrieg auch die Geschichte eines multikulturellen und multinationalen Staatsverbandes, der auf eine jahrhundertealte historische Tradition zurückblicken konnte. Die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn integrierte unter der Regierung der Habsburger-Monarchie eine Vielzahl von Nationen, deren Zusammenleben sich im Laufe des 19. Jahrhunderts als zunehmend problematisch erwies. Das Seminar untersucht die Ursachen und Folgen der aus der Nationalstaatsideologie resultierenden politischen und gesellschaftlichen Spannungen im Kontext der sozialen und wirtschaftlichen Wandlungsprozesse, die der Industrialisierungsprozess in Gang setzte. Gefragt wird nach der Wirksamkeit der unterschiedlichen zentrifugalen Kräfte, die zum Niedergang der Donaumonarchie beitrugen, zugleich aber nach den Faktoren, die stabilisierend wirkten - und schließlich danach, ob der Untergang dieses Staates unvermeidlich war.

Jean Bérengar: Die Geschichte des Habsburgerreiches, Wien 1996;

Jeremy King: Budweisers into into Czechs and Germans. A Local History of Bohemian Politics, 1848-1948, Princeton 2002;

Pieter M. Judson: Guardians of the Nation. Activists on the language frontiers of imperial Austria, Cambridge 2006;

Endre Kiss und Justin Stangl (Hgg.): Nation und Nationenbildung in Österreich-Ungarn 1848-1918, Prinzipien und Methoden, Münster 2006