Im Seminar setzen wir uns mit dem Verhältnis von Individuum und Gesellschaft sowie der Stellung auseinander, welche die Schule als Instanz der Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft in diesem Verhältnis einnimmt. Die Schule nehmen wir dabei vor allem als Ort der Sozialisation und der Bildung in den Blick, an welchem sich Prozesse der Vergesellschaftung, Subjektivierung und Individuierung sowie der Entwicklung des Selbst- und Weltverhältnisses ereignen. Beispielsweise wollen wir untersuchen, ob und inwiefern in der Schule die Anpassung an ein „unternehmerisches Selbst“ (Bröckling) praktiziert wird bzw. praktiziert werden soll. Mit der Figur des „unternehmerischen Selbst“ liefert Ulrich Bröckling eine Subjektivierungsform, welche die gesellschaftlich-ökonomischen Ansprüche an das Individuum theoretisch und kritisch in einem Leitbild verdichtet.

Neben den inhaltlichen und theoretischen Auseinandersetzungen mit dem Verhältnis von Individuum, Gesellschaft und Schule, soll die Reflexion der Bedeutung der diesbezüglichen Einsichten für die eigene Person, insbesondere im Hinblick auf die Rolle als angehende Lehrkraft bzw. als angehende*r Pädagog*in und das zukünftige pädagogische Handeln, z.B. im eigenen Unterricht, im Fokus der Veranstaltung stehen. Ein dritter Akzent des Seminars liegt auf der Frage, wie es im weiteren Studienverlaufs gelingen kann, Kohärenz innerhalb und zwischen den Gegenständen und Erfahrungen des Studiums sowie der eigenen Person und der zukünftigen pädagogischen Praxis herzustellen.