Gemeinhin werden moderne demokratische Gesellschaften als Ergebnisse eines Säkularisierungsprozesses betrachtet. Durch die Trennung von Kirche und Staat wurde zugleich die Möglichkeit abgeschnitten, die irdische Macht durch eine göttliche zu legitimieren. Die Frage der Legitimation staatlicher Macht wurde also an die Gesellschaft zurückgespielt, welche sie „immanent“ in Form von Wahlen beantwortet. Verschiedene Denker des 20. Jahrhunderts haben jedoch darauf hingewiesen, dass diese Konstitution moderner säkularer Gesellschaften immer noch auf theologische Begriffe, Bilder oder Symbole rekurriere. Dabei seien diese theologischen Elemente eben kein bloßes Residuum oder Echo vorangegangener Epochen, sondern notwendig für das Gesellschafts- und Staatsverständnis im nachrevolutionären Sinne. Zentral ist dabei der Gedanke, dass Gesellschaften, um sich selbst regieren zu können, zunächst eines Blicks ‚von außen‘ auf sich selbst bedürfen, um sich als sozio-politische Einheiten reflektieren zu können. Dass nun Gott, der bis dorthin über dieses ‚Außen‘ oder diese Transzendenz herrschte, entthront wurde, bedeutet nicht, dass der Ort der Transzendenz selbst abgeschafft wurde. Ganz im Gegenteil zeigt sich, dass Fragen nach Immanenz/Transzendenz, Inklusion/Exklusion oder Normal-/Ausnahmefall entscheidende Oppositionen des Politischen sind. Was aber ist das Totale im sozio-politischen Sinne? Wer bestimmt, was das ‚Ganze‘ ist? Wer herrscht über diese Bestimmung? Ist Totalitarismus etwa nicht das Andere der Demokratie, sondern gar eine ihr immanente Gefahr?

Im Blockseminar lesen wir eine Auswahl von Texten, die grundlegend für den Diskurs der Politischen Theologie waren: Carl Schmitt, Claude Lefort und Giorgio Agamben. Die Texte sollen in Vorbereitung zum Kurs von den Teilnehmern gelesen werden. In den jeweiligen Kurseinheiten sollen die Hauptthesen dieser Texte versammelt, ausgelegt und diskutiert werden.

Zur Anmeldung müssen sich die Teilnehmer in einen moodle-Kurs einschreiben, wo alle weiteren Fragen der Vorbereitung besprochen werden. Das Passwort zum moodle-Kurs wird auf Anfrage per Mail vergeben (flock@uni-wuppertal.de).