Die Selbstgegebenheit des Untersuchungsgegenstands wird in der Wissenschaft gemeinhin vorausgesetzt. Vor allem Experimentalwissenschaften stehen vor der Herausforderung, dass ihre ›Gegenstände‹ durch die jeweiligen Prüfverfahren (Experiment, Testung, Modellierung) erst in den Blick kommen (»Phänomene«). Dies hat nicht zuletzt die Frage nach der Zuverlässigkeit wissenschaftlicher Ergebnisse, der Faktizität von Sachverhalten neu entstehen lassen. Was zeichnet wissenschaftliche Tatsachen aus?

Immanuel Kant unterschied Tatsachen (»res facti«) von »bloßen Glaubenssachen«, Ludwik Fleck fasste sie als »Feststehendes, Bleibendes, vom subjektiven Meinen des Forschers Unabhängiges«. In der analytischen Sprachphilosophie wird darauf abgehoben, dass Tatsachen selbst keine Erfahrungsgegenstände seien, sich allenfalls auf Gegenstände, die ontisch bestimmbar seien, bezögen (Strawson, Searle): Demnach existieren Tatsachen nicht, sondern gelten

Das Seminar führt in klassische Diskurse zum Thema ein und erläutert die Genese und Geltung wissenschaftlicher Tatsachen anhand von Beispielen aus Wissenschaft und Forschung. 

Die Einführungsveranstaltung zum Blockseminar findet am 14. Januar 2021, 18-20 Uhr über Moodle statt. Das Blockseminar am 02.-04. März 2021, jeweils 10-18 Uhr - vrstl. ebenfalls über Moodle.